Interview Autorin Natascha Kribbeler m Interview

Worum geht es in deinem Buch Nordseegeflüster?
Emma findet heraus, dass ihr Verlobter Tobias sie betrügt, und erleidet aufgrund des Schocks eine Fehlgeburt. Das Problem ist, dass es bereits ihre dritte Fehlgeburt ist, sie jedoch nach der zweiten schon in eine Depression verfallen war. Um zu verhindern, dass es noch einmal so weit kommt, und um sich über ihre weitere Zukunft mit Tobias klar zu werden, gönnt sie sich eine Auszeit und besucht ihre Eltern in ihrem Heimatdorf an der Nordsee. Kurz darauf erleidet ihre Tante einen Unfall, und Emma beschließt, zu bleiben, deren Haus zu hüten und sich ihrem Hobby, der Malerei, zu widmen. Bei einem ihrer zahlreichen Ausflüge an die Nordsee trifft sie Sven wieder, einen Freund aus Jugendtagen. Beide spüren sofort wieder die alte Vertrautheit. Doch auch Sven trägt Narben auf der Seele, er trauert um seine verstorbene Frau und muss seinen kleinen Sohn allein großziehen. Hätte eine Verbindung zwischen zwei vom Schicksal verletzte Menschen überhaupt eine Chance?

Der Roman spielt an einer ganz tollen Kulisse, der Nordsee. Was verbindest du mit diesem Ort? Warst du selbst schon mal an der Nordsee?
Ich wurde zwar in Hamburg geboren, lebte jedoch in einem kleinen Ort zwischen Hamburg und der Nordsee. Allerdings nicht in Coppum, hihi. Schon als Kind machten wir öfters Ausflüge dorthin, und es war jedes Mal wunderschön. Diese Liebe ist bis heute geblieben. So oft es geht, reisen wir von Bayern, wo ich heute lebe, dorthin, um mein nicht endendes Heimweh zu stillen. Wenn ich vor der grauen Unendlichkeit stehe, die Wolken über der See beobachte und dem Rauschen der Brandung lausche, spüre ich nichts als Glück.

Was hat dich zu diesem Roman inspiriert?
Meine Liebe zur Nordsee beziehungsweise generell zum Meer. Es darf auch gern die Ostsee oder der Atlantik sein. Ich wollte einen Roman schreiben, in dem diese Bewunderung zum Ausdruck kommen kann.


Beschreibe deine Protagonistin in drei Sätzen.
Emma ist selbstlos, für ihren Verlobten Tobias hat sie alles aufgegeben, ihre Heimat, ihren Job und am Ende sogar ihre Selbstachtung. Doch aus ihren Krisen und Verlusten geht sie stark hervor, sie wächst daran. Sie hat ein übergroßes Herz, in dem viel Platz für Liebe ist, und drückt diese Liebe auch in ihren Bildern aus.


Hat sie Ähnlichkeit mit dir selbst?
Tatsächlich gibt es Parallelen zwischen uns. Wie Emma mag ich die Nordsee sehr, und mir gefällt das Leben auf dem Land. Allerdings besitze ich überhaupt kein Talent zur Malerei. Dafür fotografiere ich aber sehr gern und viel, nichts und niemand ist vor mir und meiner Kamera sicher.


Dein Roman beginnt sehr dramatisch. Die Protagonistin hat nicht nur eine Fehlgeburt, sondern erfährt auch noch, dass ihr Freund sie betrügt. Wie reagiert sie darauf? Und was würdest du Menschen in einer ähnlichen Situation raten?
Im ersten Moment ist Emma schockiert. Ihre Welt, ihr ganzes Leben gerät aus den Fugen. Doch dann zieht sie die Konsequenz, reinen Tisch zu machen und ihr bisheriges Leben samt den Katastrophen, die es mit sich brachte, hinter sich zu lassen und noch einmal völlig neu anzufangen. So etwas erfordert viel Mut.
In einer solchen Lage ist es wichtig, von Menschen umgeben zu sein, die man liebt und denen man etwas bedeutet, die einem Kraft geben können. Es gibt Situationen, die man allein nicht bewältigen kann. Dann sollte man sich fragen, ob man unter derartigen Voraussetzungen unverändert weiterleben möchte oder lieber etwas ändern will. Vieles kann man verzeihen, doch mitunter gibt es keinen Weg zurück. Eine Krise ist immer auch eine Chance auf einen Neuanfang.

Woher nimmst du deine Ideen?
Sie stürmen von allein auf mich ein, ich bin wehrlos dagegen. Ob ich spazieren gehe, in den Urlaub fahre, einen Film oder ein Konzert sehe, ein Buch lese, Bilder oder Fotografien betrachte, ein Café besuche, Musik höre, Gespräche führe … Zack, ist eine neue Idee da, oder auch gleich mehrere. Inzwischen sind es so viele, dass ich zweihundert Jahre alt werden müsste, um alle zu verwirklichen.

Du hast auch Fantasyromane veröffentlicht. In welchem Genre schreibst du lieber, was ist der Unterschied?
Ich liebe beide Genres. In der Fantasy kann man Bereiche abdecken, die der klassische Liebesroman nicht hergibt. Magie, fremde Wesen, Zauberei, man kann in völlig neue Welten eintauchen. Andererseits ist die Liebe mit all ihren Facetten so vielfältig, dass man auch davon immer neu erzählen kann. Beides ist auf seine Weise sehr faszinierend.


Du hast lange in Hamburg gelebt, bist dann nach Bayern gezogen. Stell dir vor, eines Morgens würdest du das Fenster öffnen und dein Haus würde genau an dem Ort stehen, von dem du immer geträumt hast. Wo wäre das?
In den Dünen an der Nordsee mit Blick aufs Meer. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als vom Rauschen der Wellen in den Schlaf gesäuselt zu werden.


Hast du einen Buchtipp für uns?
Oh, ganz viele. Momentan lese ich Die letzte Gemahlin des Königs von Philippa Gregory. Ich liebe historische Romane, bevorzugt aus dem Mittelalter, der Wikingerzeit und dem Nordamerika der Indianerzeit. Mein absolutes Lieblingsbuch ist Die mit dem Wind reitet von Lucia St. Clair Robson, hochspannend und tieftraurig.


An was schreibst du gerade?
An einem historischen Liebesroman aus der Wikingerzeit. Außerdem steht ein weiterer Küstenroman in den Startlöchern.


Hast du einen Tipp für Autoren, die bisher nichts veröffentlicht haben, deren großer Traum aber ein Verlagsvertrag ist?
Ja: bitte nicht aufgeben! Lasst euch von Absagen nicht entmutigen. Jeder von uns bekommt sie, selbst heutige Bestsellerautoren haben sie kassiert. Hört nicht auf zu schreiben und versucht, immer dazuzulernen und noch besser zu werden. Eines Tages findet ihr den Verlag, der genau auf euer Buch gewartet hat.