Leseprobe Highland Hearts

1. Katastrophentage

„Mum, wo ist meine rote Jacke, die Armeejacke?“

„Du willst allen Ernstes mit diesem Karnevalsteil in dein Seminar gehen? Santana!“

Santana schlüpfte in ihre groben, schwarzen Biker Boots und richtete sich ächzend wieder auf. „Mum, das ist eine Vintage-Jacke, sie kommt aus einem Theaterfundus und ich liege damit voll im aktuellen Trend.“

Ihre Mutter rümpfte die Nase. „Will ich wissen, was das für ein Trend ist?“

Santana musterte die kleine, leicht rundliche Frau, die ihr gerade einmal bis zum Kinn reichte, liebevoll. „Einigen wir uns einfach darauf, dass du – wie soll ich sagen – einen Hauch konservativer bist, als ich es bin, okay?“

„Ich könnte dir so hübsche Dinge schneidern, wenn du mich ließest.“

Keine gute Idee. Trägerröcke und Karoblusen lagen ihr nun einmal nicht. 

„Danke, Mum, du bist ein Schatz. Aber ich denke, das lassen wir. Im Ernst, ich möchte gerne pünktlich in der Uni sein, wo hast du meine Jacke versteckt?“

Mit spitzen Fingern, so, als fürchtete sie, sich an dem Kleidungsstück zu verbrennen, reichte Erin Kinnear ihrer Tochter die Jacke. „Na gut, schließlich bist du alt genug, um zu wissen, was du tust.“

Aufatmend fuhr Santana in das ausgefallene Teil. „Ja, so ist es.“ Sie drehte ihre langen, kupferroten Haare zu einem dicken Dutt und steckte ihn geschickt fest. „Weißt du, ich finde, mein Stil passt perfekt zu meinem Namen.“

Erins leises Schnauben nahm sie amüsiert zur Kenntnis. Sie war sich bewusst, dass das ihr Killer-Argument war. Sie tat es ungern, aber ab und an musste sie es auffahren. Nachdem ihre Mutter sie vor zweiundzwanzig Jahren partout nach dem Ausnahmemusiker Carlos Santana benennen musste, war das eine willkommene Steilvorlage für Diskussionen, auf die sie keine Lust verspürte und die daher dringend abgekürzt werden sollten. Wobei sie ja noch von Glück reden konnte. Wäre sie ein Junge geworden, hieße sie jetzt Carlos … Carlos Kinnear, ganz toll!

Prüfend musterte sie sich im Flurspiegel. Ja, doch, so gefiel sie sich. Das Kleidungsstück, das Erin so unheimlich war, stand ihr sehr gut. Die rote Armeejacke harmonierte perfekt mit ihren hellblauen Augen, der knallengen, schwarzen Jeans und den Boots. Sie griff nach ihrer antiken Arzttasche, einer Errungenschaft vom letzten Flohmarkt, drückte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und öffnete die Haustür.

„Mum, ich bin um halb drei wieder zuhause. Soll ich auf dem Heimweg einkaufen?“

„Ja, vielleicht ein paar gängigere Kleidungsstücke?“

„Ich hab dich auch lieb, Mylady!“ 

 

Heute zog sich das Seminar wieder ganz besonders. So sehr sie die Geschichte ihrer Heimat liebte, so sehr verabscheute sie das endlose Auflisten von Jahreszahlen. Gelangweilt setzte sie Ziffer um Ziffer unter die nicht enden wollende Liste in ihrem Heft. Es half alles nichts, wenn sie ihren Traum wahr machen und historische Touren für Touristen anbieten wollte, dann musste sie auch das hier über sich ergehen lassen. Santana liebte Geschichte wirklich, vor allem die Geschichte ihres Landes, die sie immer sehr stolz machte. Das Lernen von Jahreszahlen aber war ihr ein Graus. Schade, denn ohne vernünftiges Grundwissen ging es nun einmal nicht.

Bannockburn, 23. und 24. Juni 1314.

Santanas Gedanken drifteten unweigerlich ab. Vor ihrem inneren Auge erschien ein riesiges Schlachtfeld. Zwei Armeen prallten aufeinander, Kampfgeschrei erklang, Schlachtrösser trugen stolze, mutige Ritter herbei. Schwerter wurden gezogen und Feinde erzitterten.

Nicht ganz so dramatisch, aber interessant und unterhaltsam sollten ihre Touren werden. Mit Statisten, nachgespielten Szenen der schottischen Geschichte, ein wenig Drama, gutem Essen und viel Schottland. 

 

„Santana, bitte komm mit mir. Hörst du nicht? Du musst mitkommen.“

Der Wechsel von 1314 ins Jahr 2019 war nicht leicht zu vollziehen, trotzdem gelang es ihr, wenn auch leidlich. Ann, die dienstälteste Sekretärin der Fakultät, stand neben ihr und rüttelte sie leicht an der Schulter.

Verwirrt blickte sie zuerst Ann, dann ihren Professor an, der seinen Vortrag unterbrochen hatte und dessen Blick ebenso mitleidig auf ihr ruhte wie der von achtzehn Kommilitonen. Endlich fand sie ihre Sprache wieder.

„Verzeihung, ich war ein paar Jahrhunderte weit weg. Was ist denn los? Ihr habt alle so einen seltsamen Blick drauf.“

Ann legte mitfühlend ihren Arm um Santanas Schultern. „Meine Liebe, dein Vater hatte einen schweren Unfall, komm, du musst in die Klinik fahren.“

 

Wie sie es geschafft hatte, in den richtigen Bus zu steigen, würde wohl auf immer ein Geheimnis bleiben. Was genau passiert war, wusste Ann zwar nicht, aber zumindest, dass ihr Dad ins Western General in der Crewe Road gebracht worden war. Sie war jetzt auf dem Weg dorthin und hatte Angst, große Angst. Mason Kinnear war, seit Santana sich erinnern konnte, nicht einmal krank gewesen, und nun ein Unfall auf der Baustelle? Wie zum Henker konnte so etwas geschehen? Es gab doch Sicherheitsvorkehrungen. Sich das Hirn zu zermartern brachte allerdings wenig und daher konzentrierte sie sich darauf, wieder ruhiger zu werden. Sie konnte sich gut vorstellen, wie erschrocken und aufgeregt ihre Mutter sein musste. Eine von ihnen sollte folglich einen klaren Kopf bewahren, und aus langer Erfahrung wusste sie, dass das wohl sie sein würde.

Die beiden Damen an der Information des Krankenhauses wussten bereits Bescheid. „Mason Kinnear? Ihr Vater ist noch im OP, bitte gehen Sie nach oben, wir können derzeit noch nichts sagen. Ihre Mutter ist auch vor ein paar Minuten angekommen.“ Sie wiesen ihr den Weg und Santana beeilte sich, die ihr genannte Station zu finden. In einem langgezogenen, von hellen Lampen in weißes Licht getauchten Flur erblickte sie die zusammengesunkene Gestalt ihrer Mutter auf einem weißen Kunststoffstuhl. 

„Mum, was um Himmels willen ist denn geschehen?“

Erst nach einer ganzen Weile gelang es Erin, sich so weit zu fassen, dass sie ihr verständlich antworten konnte.

Ihr Vater war auf dem Dachstuhl eines Hauses herumgeklettert, dessen morsche Balken ausgetauscht werden mussten, danach sollte das Haus neu eingedeckt werden. Nun war das für einen Zimmermann Routine, noch dazu für einen so erfahrenen wie ihren Vater. Alle Handwerker verließen sich auf ein Gutachten, das bescheinigte, dass die Hauptbalken massiv und nicht vom Verfall in Mitleidenschaft gezogen worden seien. Im Nachhinein stellte sich nun heraus, dass das Gutachten eine reine Gefälligkeit gegenüber dem Hausherrn gewesen war, um Geld zu sparen. Wie die Feuerwehr bei der ersten Inaugenscheinnahme feststellen konnte, war das komplette Dach dermaßen marode, dass alles wegmusste. Mason war, in gutem Glauben an die Aussagen des Sachverständigen und des Hausherrn, auf die als unbedenklich gekennzeichneten Balken gestiegen und mehrere Meter tief in das Dachgeschoss gestürzt. 

Noch während ihre Mutter Santana stockend das erzählte, was die Retter ihr berichtet hatten, traf der Chef ihres Vaters ein. Clark Newton war sichtlich schockiert.

„Es ist fürchterlich. So etwas darf einfach nicht passieren. Unser Zeitplan war - wie so oft – viel zu eng gesteckt. Mason war immer vorsichtig, wenn wir nicht dermaßen unter Druck gewesen wären, hätte er sicher den Dachstuhl sorgfältiger untersucht.“ Clark hieb die Faust gegen die Wand und suchte sichtlich erregt nach Worten. „Wer denkt denn auch, dass dieser gewissenlose Vollidiot von Sachverständigem hier ein gekauftes Gutachten abgibt? Auf so etwas verlässt man sich doch, verdammt noch mal.“ 

Santana lag etwas ganz anderes auf dem Herzen. „Wie geht es Dad denn überhaupt? Wie schlimm ist er verletzt? Was sagen die Ärzte?“

Erin räusperte sich. „Seine Hüfte ist mehrmals gebrochen. Er kann seine Beine bewegen, das ist ein gutes Zeichen. Der rechte Arm ist am Ellbogen gebrochen, da er wohl versucht hat, sich abzufangen. Laut dem Röntgenfacharzt, dem Chirurgen und den Orthopäden muss das alles erst einmal ruhiggestellt werden, damit es richtig wieder zusammenwächst. Danach geht es sofort in die Reha und es dauert noch Wochen, ehe er wieder vernünftig laufen kann. Dazu kommt noch eine schwere Gehirnerschütterung.“

Das klang zwar besorgniserregend, war aber nichts, mit dem man nicht fertig werden konnte.

„Nur noch einmal zum besseren Verständnis: Es besteht keine Lebensgefahr?“

Ihre Mutter schüttelte den Kopf. „Sie waren sich nicht sicher, ob er innere Verletzungen hat, als sie ihn hergebracht haben. Das hat sich aber Gott sei Dank nicht bestätigt.“

Santana atmete auf. Der Stein, der ihr vom Herzen fiel, musste gigantische Ausmaße gehabt haben, denn sie konnte endlich wieder tief Luft holen.

Auch Clark schien erleichtert, der dunkle Schatten auf seinem Gesicht wollte aber nicht verschwinden. Santana kannte Clark, seit sie ein kleines Mädchen gewesen war. Dass mit ihm etwas nicht stimmte, hätte allerdings jeder aufmerksame Beobachter bemerkt.

„Clark, kommst du mit? Ich möchte Mum und mir was zu trinken besorgen.“

Er willigte sofort ein und folgte ihr in den am anderen Ende des Flures liegenden Aufenthaltsraum der Notfallchirurgie. Santana warf fünfzig Cent in den Kaffeeautomaten und drückte auf Milchkaffee. Während der Automat das Gewünschte ausspuckte, wandte sie sich dem unruhigen Mann zu.

„Clark, ich kenne dich lange genug, um zu wissen, dass etwas im Argen liegt. Weihst du mich bitte ein, vor allem, wenn’s um meinen Dad geht?“

Clark ließ sich auf einen der an der Wand stehenden Stühle fallen und fuhr sich mit der Rechten durch den grauen Haarschopf. „Scheiße, dass das ausgerechnet jetzt passieren musste.“

Das half ihr nun nicht weiter. „Etwas expliziter, bitte.“

„Wenn es denn sein muss. Die Firma hat seit zwei Jahren Probleme. In Edinburgh sind Baustellen heiß begehrt und frag mich nicht, wie andere mit den Angeboten, die sie abgeben, ihre Leute bezahlen. Auf jeden Fall mussten wir mit harten Bandagen um viele Aufträge kämpfen. Gut, wir konnten weitermachen, mussten nicht aufgeben, wie einige andere, aber dafür musste ich Abstriche machen.“ Er hob den Kopf und sah Santana in die Augen. „Im Nachhinein gesehen war das eine richtig dumme Entscheidung.“

„Wenn du von Abstrichen sprichst, was genau muss ich mir darunter vorstellen?“ Sie mochte es nicht, wenn jemand in Rätseln sprach.

Er schwieg ihr einen Touch zu lange, daher wusste sie, dass sie eigentlich nicht hören wollte, was er sagen würde. Allerdings hatte sie wohl kaum eine Wahl.

„Santana, ich habe die Versicherungen auf ein Minimum runtergeschraubt, also gerade das, was man eben haben muss. Dazu gehört auch die geschäftliche Unfallversicherung.“

„Aha, und was willst du jetzt genau damit sagen?“

Er wand sich sichtlich. „Ich will sagen, dass Mason auf sein Krankengeld angewiesen sein wird. Und das beträgt nicht einmal die Hälfte dessen, was er sonst verdient. Vergiss all seine Zuschläge auf den Normallohn nicht. Die fallen aber bei Berechnung des Krankengeldes weg. Das heißt, in sechs Monaten habt ihr ein Problem.“

Santana angelte den dampfenden Becher aus dem Automatenfach. „Clark, wie lange zahlst du den Normallohn?“

„Sechs Monate eben, dann übernimmt die Versicherung. Vor drei Jahren hätte im Anschluss meine damalige Unfallversicherung auf den Normallohn aufgestockt. Mensch, Santana, es tut mir so leid.“

Sie wehrte müde ab. „Schon gut. Unterm Strich ist es ja nicht deine Schuld. Kann man den Sachverständigen verklagen? Ich meine, irgendwas muss man doch tun können?“

„Natürlich verklage ich ihn. Aber das dauert, falls wir ihm den Betrug nachweisen können, mindestens ein Jahr. Das hilft Mason im Augenblick gar nichts.“

Sie reichte ihm den Kaffeebecher. „Da, ich glaub, du brauchst das Koffein gerade dringender. Wichtig ist nur, dass Dad wieder gesund wird. Ich werde eine Lösung finden – wie auch immer.“

„Santana, ich hoffe, deine Eltern wissen, was sie da für ein Goldstück am Start haben.“

„Ich glaube schon.“ 

 

Erin Kinnear legte den Stift zur Seite und fuhr mit dem Zeigefinger die Zahlenkolonne auf dem Blatt entlang. Dann schüttelte sie entschlossen den Kopf. „Selbst, wenn ich täglich zehn Änderungsaufträge hätte, das Geld würde für den Kredit nie und nimmer genügen. Das wirft meine kleine Keller-Schneiderei nicht ab. Mindestens ein halbes Jahr, sagen die Ärzte, und dann ist noch nicht sicher, dass er wieder voll einsatzfähig ist. Das schaffen wir nie, uns fehlen im Monat mindestens fünfhundert Pfund. Stell dir vor, das geht ein Jahr so.“

Santana stellte ihre Teetasse behutsam beiseite und kraulte Pirat, das vierte Familienmitglied der Kinnears, hinter den Ohren. Der gerade einmal kniehohe, grau-weiß gefleckte Terriermischling schmiegte sich an ihr Bein. Fast schien es, als wüsste er, dass sie jetzt moralische Unterstützung brauchte. „Mum, komm runter. Es gibt eine Lösung und außerdem könnte es viel schlimmer sein. Dad wird wieder gesund und er soll dafür alle Zeit bekommen, die er braucht. Clark hält ihm seinen Job frei, das ist auch beruhigend. Und stell dir vor, er wäre so dumm gefallen, dass er jetzt querschnittsgelähmt wäre. Nein, wir bekommen das alles geregelt.“

Ihre Mutter schien nicht ganz so sicher zu sein. „Schatz, ich mag deinen Optimismus, aber kannst du mir sagen, woher wir die fünfhundert Pfund nehmen sollen?“

Santana zögerte nur kurz, dann straffte sie ihre Schultern. „Die verdiene so lange eben ich. Das Reisebüro in der Princess Street wollte mich nach meinem Praktikum damals ja schon weiterbeschäftigen. Ich lege das Studium für ein oder zwei Semester auf Eis und arbeite dort. Allan zahlt gut, außerdem macht der Job Spaß und ich kann beinahe das tun, was ich später eh einmal arbeiten möchte. Also ist das alles halb so schlimm.“

„Santana, damit verlierst du aber doch so viel Zeit. Willst du das wirklich tun?“ Erin hegte eindeutig ihre Zweifel.

Santana nahm ihre Tasse wieder auf und trank einen großen Schluck. „Ich will und ich muss, Mum. Oder hast du eine bessere Idee?“

Das Schweigen der Mutter war Antwort genug.

 

In dieser Nacht fand Santana wenig Schlaf. Natürlich war es ärgerlich, dass sie aussetzen musste, aber es war die einzige Lösung. Woher sonst sollte das Geld kommen? Gleich am nächsten Tag wollte sie in das Reisebüro fahren. Nach den Lobeshymnen auf sie war sie sich sicher, dass Allan ihr einen befristeten Job geben würde.

Weniger glücklich war sie in Bezug auf seine Frau. Evie war chaotisch, unstrukturiert und emotional eine dauernde Achterbahn. Allerdings war es ihr schon beim letzten Mal gelungen, nur wenig mit ihr arbeiten zu müssen. Sicher ließe sich das wieder so einrichten.

 

2. Warum eigentlich immer ich?

Allan war sichtlich begeistert. „Klar helfe ich dir, natürlich bekommst du eine Stelle. Du weißt, dass ich mich freue, dich wieder in meinem Team zu haben. Passt perfekt, Sandy bekommt Anfang November ihr Baby und verschwindet in zwei Wochen in den Mutterschutz. Im Oktober ist zwar nicht ganz so viel zu tun, aber du kannst Sandys Aufgabengebiet komplett übernehmen, da bist du beschäftigt.“ Er blickte sich um und entdeckte seine Frau. „Evie, hast du gehört? Unsere Probleme haben sich von selbst gelöst. Santana übernimmt Sandys Bereich. Was sagst du dazu?“

Evie, klein, schlank und den hellblonden Pagenkopf wie immer perfekt frisiert, stöckelte in ihren kupferfarbenen Highheels, die zum beigen Hosenanzug passten, herbei. „Wenn sie sich gut einarbeitet und den Ablauf nicht stört, soll es mir recht sein.“ Nach einem kurzen Nicken in Santanas Richtung stöckelte sie auch schon weiter. 

Allan verdrehte theatralisch die Augen. „Ignorier sie, du weißt, sie meint es nicht so. Ab und an schlagen einfach die Chef-Gene durch. Sie weiß genau, dass du gut warst. Ich mach dir bis übermorgen deinen Vertrag fertig. Reicht dir das?“

Natürlich reichte es ihr und sie verließ erleichtert ihre zukünftige Wirkungsstätte.

 

Der Abend war zu ihrem Leidwesen verregnet und so wurde aus dem geplanten Spaziergang mit ihrer Freundin Jane und Pirat eines ihrer geliebten Endlostelefonate.

„Du wolltest doch nicht mehr mit Evie arbeiten. Warte, wie hast du sie genannt: Anna Wintour für Arme? Oder liege ich falsch?“

Santana ließ sich auf ihr Bett fallen, drehte sich zur Wand und stützte die langen Beine dort ab. „Nein, liegst du nicht. Aber das hilft alles nichts. Woher soll das Geld kommen? Was ich jetzt gleich verdiene, wird gespart, und wenn Dad nur noch Krankengeld bekommt, haben wir ein kleines Polster.“

„Stimmt schon. Pass trotzdem mit dieser Zicke auf. Die hätte dich bei deinem Praktikum schon gerne auflaufen lassen.“

Das hatte Jane sich also auch gemerkt. 

„Keine Bange. Ich werde mich so weit wie möglich von ihr fernhalten. Sie betreut eh nur die Highclass-Kunden. Der Durchschnittstourist muss sich mit ihren Untergebenen herumschlagen.“ Santana rollte sich auf den Bauch. „Du wirst sehen, die paar Monate vergehen wie im Flug. Und was soll schon in den ruhigen Herbst- und Wintermonaten groß passieren?

 

Zwei Wochen später stand sie nachdenklich an ihrem neuen Schreibtisch. „Sandy, du wirst mir fehlen.“ Santana begutachtete grübelnd den stattlichen Leibesumfang der jungen Frau. „Allerdings denke ich, dass du langsam echt kürzertreten solltest.“

Sandy schmunzelte, während sie sich das Kreuz rieb. „Sag bloß! Im Ernst, ich freu mich auf mein Sofa, jede Menge Tee und Ruhe. In spätestens drei Wochen ist es damit endgültig vorbei.“

Santana legte Sandy beruhigend ihre Hand auf den Unterarm. „Aber doch nur für etwa zweiundzwanzig Jahre, dann hast du so ein Prachtexemplar wie mich, das eigenständig essen und aufs Klo gehen kann.“

Lachend umarmte Sandy sie. „Das hab ich gebraucht, da sehe ich doch alles gleich viel entspannter.“

Santana sah ihr nach, während Sandy sich von den anderen Kollegen verabschiedete. So wie Allan es vorausgesagt hatte, war es von Anfang an angenehm ruhig im Büro gewesen: ein paar Gruppen aus Asien, vor allem Korea und Japan, einige Amerikaner und eine Handvoll Deutscher, die sich eine Hikingtour durch die Highlands zusammenstellen ließen. Alles gut zu bewältigen. Evie war mit einem reichen, amerikanischen Ehepaar unterwegs, das es sich ein Vermögen kosten ließ, die Chefin persönlich als Begleitung zu haben. Hervorragende Arbeitsbedingungen. Das Glück schien ihr gewogen.

Den Spruch Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben kannte sie zwar, aber dass er ausgerechnet an diesem ruhigen Nachmittag zum Einsatz kommen würde, hätte sie nicht erwartet. Kurz vor sechs Uhr kehrte eine zufriedene Evie zurück ins Büro. Voller Elan warf sie ihre Louis-Vuitton-Umhängetasche, mit deren Inhalt sie jederzeit problemlos das Land hätte verlassen können, auf ihren Schreibtisch. 

„Und wieder einmal zeigt sich, dass sich Erfahrung, Know-how und Professionalität auszahlen. Zufriedene, glückliche Kunden, die Schottland in bester Erinnerung behalten werden. Amerikaner sind anspruchsvoll und wollen hofiert werden. Ich denke, ich habe uns perfekt repräsentiert.“

Liam, der nette Kollege, der über den Schreibtisch gegenüber dem Santanas regierte, hüstelte dezent. „Super, tolle Leistung, wenn ich zwei von sich eingenommene und dabei so herrlich ahnungslose Texaner stundenlang mit einem Spezialbus durch die Gegend karre und für die Schlossbesichtigungen einen exzellenten Guide von Historic Scotland an der Seite habe.“ 

Santana verstand sein leises Brummeln sehr gut. „Im Ernst? Ich dachte, sie macht das?“

„Träum ruhig weiter. Evie gerät ja schon in Erklärungsnöte, wenn man sie fragt, wer Rob Roy war.“ Liam war lange genug im Unternehmen, um zu wissen, wovon er redete.

„Aha, Know-how und Professionalität.“ 

Liam reckte grinsend beide Daumen hoch. „Du hast es erfasst.“

Noch während Evie weiter über ihre Erfolge schwadronierte, läutete das Telefon in Allans Büro. Der nahm ab und schloss kurz darauf die Glastür, was selten vorkam. Da heute um sechs Uhr Feierabend war, beachtete Santana ihn nicht weiter. Sie wollte noch in die Klinik zu ihrem Vater und für ihre Mutter ein Abendkleid, das dringend einer Änderung bedurfte, bei einer Kundin abholen. Kaum stopfte sie Handy, Geldbörse und die mickrigen Reste ihrer Nussmischung, angeblich exzellente Nervennahrung, in ihren Rucksack, riss Allan seine Tür auf.

„Leute, Teammeeting! Alle!“ Da einige Finger noch unentschlossen über Laptops und Telefontastaturen schwebten, fügte er umgehend hinzu: „Sofort!“

Liam schraubte sich mit leicht angesäuerter Miene aus seinem Bürostuhl. „Lebewohl, o mein Pub! Es hätte so schön werden können mit uns beiden.“

„Mist, ich wollte meinen Dad besuchen.“ Santana war ebenso wenig begeistert wie er.

Zu einer Antwort kam Liam nicht mehr, denn auch Evie sah sich nun bemüßigt, die Chefin herauszukehren. „Habt ihr Allan nicht gehört? Los, los. Er macht das gewiss nicht zu seinem Vergnügen.“

Teammeeting bedeutete, dass man sich in der rückwärtigen Teeküche traf, in der ein wuchtiger, dunkelbrauner Holztisch und zehn bunt durcheinandergewürfelte Bistrostühle standen, die Allan hatte ergattern können, als ein renommiertes Teahouse schließen musste. Ansonsten gab es eine überdimensionierte Palme, die laut Beschreibung nur halb so groß hätte werden dürfen, einen nicht minder überdimensionierten Kühlschrank, zwei Wasserkessel, grob geschätzt fünfzig unterschiedliche Tassen, eine Sammlung von IKEA-Gläsern in allen Größen sowie einen antiken Gasherd. Der Rahmen des kleinen Fensters zum Hinterhof war mit ägyptischen Ornamenten bemalt worden und verlieh dem Ganzen ein künstlerisches Flair.

„Sorry für die späte Stunde, tut mir echt leid, aber das hier ist wichtig.“ Allan goss sich eine Tasse Tee ein und nahm am Kopfende Platz. „Setzt euch, ich verspreche, ich mache schnell. Der Anruf gerade kam aus Amerika, genauer gesagt aus Los Angeles. Wir arbeiten schon ewig mit einer Eventagentur zusammen, die uns immer wieder gute Kunden schickt. Der Einsatz der Agentur hört allerdings am Flughafen hier in Edinburgh auf, weil wir dann übernehmen. Bis heute war das alles kein Thema … wohlgemerkt: bis heute.“ Allan war sichtlich nervös. 

So kannte Santana ihn nicht. Der Mann war sonst die Ruhe selbst. Neugierig hörte sie weiter zu.

„Der Auftrag, den wir übernehmen sollen, ist – sofern man es nüchtern betrachtet – ein Ding der Unmöglichkeit.“

Liam zuckte mit den Schultern. „Chef, warte, ich hol dir einen doppelten Whisky, dann relativiert sich das eventuell etwas. Also das mit dem nüchtern.“

Allan runzelte nur die Stirn. „Sehr witzig. Nein, in fünf Tagen soll ein Fotoshooting in den Highlands stattfinden. Es wird eine Woche dauern. Wir müssen die Genehmigungen einholen, die Hotels oder Apartments buchen, für den Transport sorgen. Das Catering muss bestellt werden und es soll immer jemand von uns dabei sein, da zusätzlich zu zwei Starfotografen ein Kameramann, ein Tontechniker und zwei Produzenten mit von der Partie sind. Das ist ein richtig aufwändiges Ding, die drehen gleichzeitig zu dem Shooting auch noch für eine Realityshow, die auf das Model zugeschnitten ist. Ich hätte echt gerne abgelehnt, vor allem, da es verdammt gewagt ist, im Oktober in den Highlands für eine Werbekampagne zu fotografieren. Aber die Argumente sind überzeugend, sehr überzeugend.“

„Klär uns auf. Welche Argumente? Im Ernst, Allan, du weißt, wie es da oben zu dieser Jahreszeit zugehen kann?“ Liam schien wenig begeistert.

„Und ob ich das weiß. Nur ist die Aussage, dass wir über ein – Achtung, jetzt kommts – enormes Budget bis zu fünfundsiebzigtausend Pfund verfügen dürfen, schon bemerkenswert. Ich hab das mal grob überschlagen und dabei schon hochgerechnet. Selbst wenn wir teure Hotels und hochwertigstes Catering sowie gute Fahrzeuge, einen Wohnwagen und so weiter einkalkulieren, bleiben uns um die zwanzigtausend Pfund. Na, was sagt ihr zu dem Argument?“

Steven, der kleine, schwarzhaarige Ire, Nummer drei im Bunde, Liam und auch Santana sahen Allan ungläubig an. 

Santana fing sich als Erste. „Gar nicht so übel.“

Allan schob seine Nickelbrille etwas nach vorne und musterte sie über den Rand hinweg. „Nicht übel? Ich mag deinen Humor. Das ist richtig gut.“ Er wandte sich seiner Frau zu. „Evie, sag doch auch was. Soll ich akzeptieren? Wir könnten das stemmen, genug Erfahrung haben wir.“

Evie nickte nachdrücklich. „Gerade jetzt vor der Wintersaison brauchen wir das Geld.“ Sie deutete unbestimmt zur Seite. „Liam und Santana können das machen. Auf Steven kann ich nicht verzichten.“

Ehe Santana dazu kam, sich aufzuregen, antwortete Allan bereits. „Gut, ich denke, damit ist das geregelt. Dann rufe ich sofort zurück und sage zu. Die in Amerika warten.“

„Ähm, nur mal so am Rande gefragt: Was für eine Werbekampagne ist es eigentlich und wer ist dieses Model, von dem du gesprochen hast?“ Neugierig war Santana ja schon, um wen dieser ganze Wirbel veranstaltet wurde.

Allan blickte sehr ernst in die Runde. „Es ist der größte amerikanische Whiskyproduzent und schon klar, dass der echtes, schottisches Flair haben möchte. Tja, und das Model …“, er legte eine sehr gekonnte Kunstpause ein, „… das Model ist Tyler „Hawk“ Vaughn.“

„Bitte wer? Doch nicht der Hawk? Der Typ, der die neue Davidoff-Kampagne ziert und der auf sämtlichen Hochglanzmagazinen dieser Welt prangt?“ 

Allan nickte. „Eben jener, liebe Santana.“

Darauf hatte sie nun ja mal überhaupt keine Lust, aber wirklich gar keine. Der Kerl sah schon auf den Fotos dermaßen arrogant aus, dass ihr übel wurde. Ihr war bewusst, dass sie damit allein auf weiter Flur stand, denn der Rest der Welt küsste den Boden unter seinen Füßen. Okay, attraktiv war er, richtig attraktiv, aber das war’s auch schon.

Während sie sich noch den Kopf darüber zerbrach, wie sie aus dieser Nummer wieder herauskam, erklang Evies aufgeregte Stimme.

„Exzellent, einfach exzellent! Das wird die perfekte Werbung für uns. Hawk Vaughn! Ich denke, wir müssen nicht darüber diskutieren, dass in diesem Fall ich den Auftrag übernehme. Das ist Chefsache, so leid es mir tut. Wie bekannt sein dürfte, bin ich außerdem der Amerikaprofi in diesem Büro, das habe ich nun ja wohl oft genug bewiesen.“

Perfekt! Santana lehnte sich entspannt in ihrem Stuhl zurück. „Da kann ich Evie nur beipflichten. Sie ist und bleibt der Profi hier. Natürlich hätte ich die Herausforderung gern angenommen, aber ich finde sicher anderweitig genug zu tun.“

Sie wurde das dumme Gefühl nicht los, dass Allan nach dieser Feststellung einen Hauch zu lange schwieg. Sollte sie etwa zu dick aufgetragen haben? Als das Schweigen andauerte, verwandelte ihre ursprüngliche Entspannung sich unglücklicherweise in Anspannung. 

Allan, sag etwas, flehte sie in Gedanken. Das tat er dann auch – leider!

„Evie, keine Frage, wenn du das persönlich übernehmen willst, dann ist das natürlich in Ordnung. Aber da steckt sehr viel Arbeit drin, du brauchst definitiv eine rechte Hand, die dich organisatorisch unterstützt.“ Mit einem sehr hintergründigen Lächeln wandte er sich Santana zu. „Santana, allein schon dein Studium prädestiniert dich für diesen Auftrag. Wenn du jetzt auch noch selbst anmerkst, dass du die Herausforderung gerne angenommen hättest, will ich dir nichts in den Weg legen. Ich möchte, dass Evie und du das Ding gemeinsam wuppt.“

Warum? Warum konnte sie nie im richtigen Moment einfach mal die Klappe halten? 

„Oh, toll! Das freut mich wirklich. Danke für dein Vertrauen, Allan.“ Liams breites Grinsen bewies ihr, dass das gerade nicht wirklich aufrichtig geklungen hatte.

„Sehr schön! Dann rufe ich auf der Stelle zurück und sage zu. Nur, dass das klar ist: Wir – also vor allem du, Santana - müssen morgen sofort in die Vollen gehen. Ich lasse mir den Plan schicken und darum baust du …“, er warf einen sichtlich nervösen Seitenblick auf seine Frau und korrigierte sich umgehend, „… baut ihr bitte den kompletten organisatorischen Rahmen.“

Evie nickte huldvoll. „Meine leichteste Übung.“

Steven erhob sich, trat im Hinausgehen hinter Evie und erklärte mit fester Stimme: „Du bekommst das prima geregelt. Viel Spaß bei dieser Herausforderung.“ Dass er dabei Santana einen mitleidigen Blick zuwarf, bemerkte die sichtlich zufriedene Evie nicht.

Sie folgte Allan und Steven zurück ins Büro und Santana ließ ihre Stirn auf die Tischplatte knallen. Gerade so, dass es nur ein bisschen weh tat. „Warum eigentlich immer ich?“

Liam klopfte ihr beruhigend auf den Rücken. „Weil Allan nicht lebensmüde ist. Er liebt seine Frau, kennt sie aber auch gut genug, um zu wissen, dass sie bei der geringsten Gelegenheit eskaliert. Ohne dich wäre sie aufgeschmissen. Ich könnte wetten, sie käme mit der Gruppe nicht mal heil in den Highlands an. Also nimm es als Kompliment.“

Sie rieb sich ihre malträtierte Stirn. „Ich mag aber solche Typen nicht. Das ist so was von nicht meine Welt. Und was genau heißt überhaupt eskalieren?“

Hätte sie in diesem Augenblick geahnt, welch große Rolle dieses Wort innerhalb der nächsten Wochen spielen würde, sie hätte sich wohl eingehender mit der Bedeutung auseinandergesetzt.

 

3. Alles ein Kinderspiel

„Jane, warum muss ausgerechnet ich so etwas machen? Kann ich denn nicht eine nette, solide Gruppe Geschichtsstudenten aufs Auge gedrückt bekommen? Muss es dieser Hawk sein?“ Santana lag auf dem hellbraunen Sofa im elterlichen Wohnzimmer, hatte sich eins der zitronengelben Kissen in den Rücken gestopft und ließ die Beine über die Lehne baumeln. Das Telefon war auf Lautsprecher gestellt, da sie ihre Hände dringend brauchte, um eine Tasse heiße Schokolade mit Zimt und Schlagsahne festzuhalten. Nervennahrung.

„Du tust mir ja so leid. Da musst du armes Wesen tatsächlich mit dem derzeit wohl bestaussehenden Mann der westlichen Hemisphäre durch die stürmischen Highlands reisen. Arme kleine Maus.“ Janes Stimme klang leicht erstickt.

Sie runzelte nachdenklich die Stirn. „Sag mal, kann es sein, dass du mich nicht ganz ernst nimmst? Das ist wirklich ein Problem für mich. Diese Glamourwelt ist nicht so mein Ding.“

Sie konnte sich gut vorstellen, wie Jane nachsichtig den Kopf schüttelte. „Ja, meine Liebe, das hilft aber nichts. Die Welt besteht nicht nur aus vergangenen Schlachten, verfallenen Schlössern, Burgruinen und Helden, die längst tot sind. Jetzt hast du’s eben mit einem lebendigen Helden zu tun.“

„Ganz toll!“ Sie warf einen bedauernden Blick in die mittlerweile leere Tasse. „Was hat er schon geleistet, außer mit einem hübschen Gesicht geboren worden zu sein?“

„Lass mich nachdenken. Er hat schon mit achtzehn Top-Verträge an Land gezogen, in diversen Sitcoms mitgespielt und das echt gut, war zweimal hintereinander der Sexiest Man Alive, hat seinen College-Abschluss mit Bestnote gemacht. Tja, was fällt mir noch ein? Möglicherweise der vollkommen unbedeutende Umstand, dass er der Traum von Millionen Frauen weltweit ist? Mann, Santana, eine nicht allzu geringe Anzahl von denen würde töten, um ihm so nahe zu sein, wie du es bald bist.“

„Und ich könnte dankend auf diese fragwürdige Ehre verzichten.“

Jane schnaubte leise. „Nun urteile doch nicht so unbarmherzig. Sonst gibst du den Menschen doch auch eine Chance. Was ist denn nur los mit dir? Der Mann hat dir doch nichts getan.“

Das stimmte wohl, Hawk selbst nicht, ihr Problem ging tiefer. „Das nicht, also nicht er direkt. Aber dieser Hawk verkörpert die Sorte Mann, die Frauen wie mich mit einer Mischung aus dezentem Grauen und zoologischer Sensationslust betrachtet.“

Schweigen. Erst nach einer Weile reagierte Jane. „Du spinnst schon ein bisschen, oder? Was willst du denn damit sagen?“

„Ganz einfach. Solche Männer stehen auf dürre, durch und durch gestylte Kleiderständer mit Luxusfümmelchen und Highheels, die Influencern mit vier Millionen Followern an den Lippen hängen. Wenn ich hingegen ankomme mit meinen Boots, Jeans, Vintage-Jacken und Hippieblusen, treten sie automatisch einen Schritt zurück, um sich nicht anzustecken. Das ist für die so wie Zoofeeling. Oh, ein ungezähmtes Exemplar, du verstehst?“

„Du bist manchmal wirklich schräg drauf, Süße. Wart einfach mal ab. Vielleicht überrascht Hawk dich ja und steht auf starke, eigenwillige Frauen mit nicht alltäglichem Style.“

Santana schmunzelte zufrieden. „Das nehme ich dann mal als Kompliment, also das mit dem Style. Okay, ich verspreche, ich sehe ihn mir an und gebe ihm eine faire Chance. Zufrieden?“

„Schon besser. Das ist meine weltoffene Freundin! Ganz ehrlich, ich beneide dich. Ich finde den Typen schlicht unglaublich.“

„Nun, vielleicht triffst du ihn ja auch einmal.“ 

„Aber sicher doch. Hawk Vaughn taucht in meiner Konditorei auf und kauft Chocolate Cherry Brownies. Wenn das passiert, dann hast du hundert Kuchenwünsche frei.“

Santana kuschelte sich gemütlich in ihr Sofakissen. „Ich erinnere dich bei Gelegenheit daran.“

 

„Santana, endlich. Ich warte seit fast einer Stunde.“ Evie rauschte in ihrem dunkelblauen Hosenanzug und passenden Pumps an ihr vorüber. „Ich habe schon einiges vorbereitet. Wo warst du denn so lange?“

„Im Krankenhaus bei meinem Dad.“ Sie warf einen prüfenden Blick auf ihre Armbanduhr. Gerade einmal kurz nach neun und damit bestenfalls zehn Minuten Verspätung. „Ich hab mich sowieso beeilt. Aber sehen wollte ich ihn unbedingt. Er braucht dringend Aufmunterung. Dafür kann ich heute Abend gern länger bleiben.“

„Das wirst du auch müssen, ich kann ja nun nicht alles alleine machen.“ Mit diesen Worten entschwand Evie in Richtung Allans Büro.

„Denk dir nichts. Sie ist erst vor zwanzig Minuten gekommen und hatte etwa ein Dutzend Magazine dabei, in denen etwas über dieses Model steht. Ich fürchte, ihre Vorbereitung besteht daraus, sich den Kerl genau anzusehen. Jeden Teil seines Sixpacks einzeln.“ Liam strich sich eine seiner dunklen Locken aus der Stirn und zuckte mit den Schultern. „So ist sie eben. Aber wenn ich du wäre, würde ich mich dringend um den Fuhrpark kümmern.“ Er stockte, suchte nach etwas auf seinem Schreibtisch und hielt es Santana entgegen. „Sie will, dass du in diesem Unternehmen die Fahrzeuge orderst. Hast du nun noch immer Fragen, warum Allan wollte, dass du dabei bist?“

„Äh, warum?“

Liam seufzte. „Nun wirf doch einmal einen Blick auf den Prospekt bitte, und dann frag nochmal.“

„Limousinen? In den Highlands? Ist sie denn verrückt geworden?“

„Jetzt hast du es verstanden. Also nimm alles in die eigenen Hände und tu das, was du als richtig empfindest. Du wirst den Kopf dafür hinhalten müssen, nicht Evie, vergiss das nicht.“

„Habe ich eine Wahl?“

Liam lächelte. „Wohl eher nicht.“

 

Santana holte sich den Plan der Amerikaner aus Allans Büro, fragte noch einmal explizit nach, wie lange man in den Highlands sein würde, und machte sich ans Werk. Zuerst zückte sie eine Landkarte und steckte die gewünschten Ziele ab. Spätestens ab Sterling wären sie mit Limousinen vollkommen aufgeschmissen. Ansonsten waren die Wunschziele der Fotografen und des Auftraggebers tatsächlich vernünftig und sinnvoll oder eben das, was man sich landläufig unter Schottland vorstellte.

Doune Castle, die Trossachs, der Loch Lomond, das Tal von Glencoe, das Ufer des Loch Ness, Urquhart Castle, die Cairngorms und schließlich die Gegend am Fuß des beeindruckenden Ben Nevis. Auf dem Weg zurück suchte man eine schöne Location mit weitläufigem Strand. Santana entschied sich rasch für den herrlichen Strand von Stonehaven, wo es bezaubernde, historische Unterkünfte gab, die gerade Gästen aus Amerika gefallen sollten. Nachdenklich betrachtete sie die abgesteckte Route, errechnete mit Google Maps die Entfernungen und erstellte einen angepassten Zeitplan. Sie ließ dabei nie außer Acht, dass das Wetter sicherlich nicht immer mitspielen würde. Daher suchte sie auch nach Möglichkeiten für Innenaufnahmen, obwohl die nicht explizit auf der Agenda standen.

Sie druckte sich die Route samt Entfernungen und Zeitaufwand aus und studierte sie genau. Ihr durfte kein Fehler unterlaufen. 

Nach drei Stunden stand der Plan und sie konnte sich auf die Suche nach schönen Unterkünften machen. Viele, die sie bereits von ihrem letzten Praktikum im Büro kannte, hatte sie noch im Hinterkopf. Bei einigen machte ihr die Kurzfristigkeit oder die Anzahl der Gäste einen Strich durch die Rechnung, bei anderen war sie erfolgreich. Sie stellte die Anfragen und bat alle um Übermittlung eines schriftlichen Angebotes.

„Liam, was meinst du? Ich würde für die engen und teilweise nicht leicht zu befahrenden Straßen Geländewagen buchen. Kann ich diese Typen mit ihren hohen Ansprüchen in Range Rover setzen?“

„Natürlich. Im Ernst, eine Limousinen-Flotte, wie sie Evie vorschwebt, kannst du getrost vergessen. Allein nördlich von Fort William habt ihr damit Probleme. Mach du nur.“

Zufrieden wählte Santana die Nummer einer zuverlässigen, alteingesessenen Autovermietung, die auch Fahrer stellte, und bat sie um ein Angebot für fünf Range Rover, einen neuen Camper und einen Minibus für die Ausrüstung. Nachdem sie aufgelegt hatte, spähte sie neugierig zu Evies durch einen eleganten Paravent teils abgetrennten Schreibtisch. Die Chefin starrte geradezu verzückt auf den Bildschirm ihres Laptops. Was zur Hölle tat sie da eigentlich? Langsam machte sich Santana Sorgen. Es wäre fatal, wenn Evie ihrerseits planen und organisieren würde, wobei diese Möglichkeit, realistisch betrachtet, eher unwahrscheinlich war. Evie war Theoretikerin und gut war sie vor allem im Repräsentieren und im Menschen um den Finger wickeln – je oberflächlicher ihr Gegenüber, desto einfacher. Aber im Geschäft klappte das ganz gut: Allan war der bodenständige Macher und Evie gab die Großfürstin. Im Augenblick hätte Santana sich allerdings einen Hauch mehr Kommunikation gewünscht. Es hatte keinen Sinn, wenn sie organisierte und plante und Evie dann alles umwarf. Dazu fehlte ihnen schlicht die Zeit. Daher atmete sie zweimal tief durch und marschierte mit ihrem Routenplan zu Evie. In Ermangelung einer Tür tat sie das, was alle taten: Sie klopfte leicht an den Paravent.

„Evie, entschuldige bitte, ich will ja nicht stören, aber ich würde dir gerne zeigen, was alles schon steht. Hast du eine Minute, bitte?“

Mit leicht säuerlicher Miene lehnte Evie sich in ihrem ergonomisch geformten Chefsessel zurück. „Ich bin wirklich sehr beschäftigt, aber wenn es nicht warten kann. Bitte.“ Sie zeigte auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch.

Santana, geplagt von Neugierde auf das, was Evie so unglaublich faszinierte, umrundete zügig den Tisch. „Gleich, erst muss ich dir das hier zeigen und erklären.“ Sie breitete ihre Unterlagen vor Evie aus und warf dabei einen Blick auf den Bildschirm. Dort räkelte sich in einem Video besagter Hawk an einem Strand in der Sonne auf einem Liegestuhl und beantwortete die Fragen einer sichtlich aufgeregten Journalistin. Aha, so sahen also Evies Vorbereitungen aus. Worauf um Himmels willen wollte sie sich denn auf diese Weise vorbereiten? Santana verkniff sich eine entsprechende Bemerkung und erläuterte, was sie bisher getan hatte.

„Und meine Anweisung, den Gästen entsprechend vernünftige Limousinen zu buchen, wird also einfach ignoriert, ja?“ Oha, da war aber jemand angesäuert.

„Evie, ernsthaft. Natürlich denke ich nicht im Traum daran, deine Anweisung zu ignorieren. Aber bedenk doch bitte, dass wir teilweise sehr enge Straßen bewältigen müssen, die auch noch hügelig sind. Da bleibt doch eine Mercedes-Limousine alle naselang liegen. Wir handeln uns damit nur Ärger ein, wenn wir die Ziele nicht zu den festgelegten Zeiten erreichen.“

„Gut, und mit den großen Geländewagen haben wir dort also keine Probleme, oder was?“ Offenbar war Evie noch nicht bereit, sich von ihren Traumwagen zu verabschieden.

„Nein, die sind ja gerade darauf ausgelegt. Bitte, vertraue mir. Das sind die perfekten Fahrzeuge für das Hochland und repräsentativ sind sie auch noch.“

„Was ist repräsentativ?“ Allan konnte verflixt leise sein, wenn er nicht sofort bemerkt werden wollte. 

„Ich lass mir gerade ein Angebot für fünf Range Rover, drei davon mit Fahrer, ausarbeiten. Hoffentlich ist das auch in deinem Sinn.“ Santana warf ihm einen hilfesuchenden Blick zu.

„Hervorragend. Gute Entscheidung, sehr gut sogar. Da die Fotografen selbst fahren wollen, ist das sehr sinnvoll. Das sind sicher Automatikwagen, damit kommen die Amis klar. Das hast du gut gemacht, Santana.“ 

In solchen Momenten mochte sie den besonnenen Allan besonders gerne. Er schob sich mit ernster Miene die Ärmel seines dunkelgrauen Rollkragenpullovers hoch und fuhr sich dann mit allen zehn Fingern durch den dichten, langsam ergrauenden Haarschopf. „Evie, konntest du schon einen Blick auf den vom Kunden gewünschten Ablaufplan werfen?“

„Ich bitte dich, natürlich. Abgesehen davon mache ich mich gerade ein wenig mit den Gästen vertraut. Wenigstens annähernd sollte ich schon wissen, wer demnächst unter meiner Obhut stehen wird.“

„Hm, okay.“ Allan drehte sich zu Santana um und lächelte sie aufmunternd an. „Solange du dich weiterhin um die banalen Kleinigkeiten wie Transport, Unterkünfte und Drehgenehmigungen kümmerst, bin ich beruhigt.“

 

Es war ein herrlicher Herbstabend und perfekt geeignet für einen Bummel in den Princess Gardens von Edinburgh. Santana war zwar hundemüde, aber auf ein letztes Treffen mit Jane, ehe am nächsten Tag die Gäste eintreffen würden, wollte sie auf keinen Fall verzichten. Pirat schien sich ebenso darüber zu freuen wie Jane, die in diesem Augenblick freudestrahlend auf sie zulief.

„Du ahnst ja nicht, wie ich mich freue, dich noch einmal zu sehen, ehe du in die Highlands entschwindest.“ Jane umarmte sie stürmisch.

Santana drückte die Freundin und schob sie dann etwas von sich. „Ist ja nicht so, als würde ich zu einem einjährigen Abenteuerurlaub aufbrechen. Schließlich ist es nur eine gute Woche.“

Jane rümpfte anklagend ihre Stupsnase. „Nur, sagt sie. Ich werde sterben vor Neugierde. Glaub mir, ich wäre so gerne dabei. Das wird ganz sicher ein unvergessliches Erlebnis.“

Santana entwirrte Pirats Leine und ließ sie lang, woraufhin er schwanzwedelnd in einem nahegelegenen Gebüsch verschwand. „Nein, das willst du nicht, vertrau mir. Das war die schlimmste Woche, die du dir vorstellen kannst. Ich könnte erst einmal einen Monat Urlaub gebrauchen, ernsthaft.“

Die Freundin hakte sich bei ihr unter und nun war der Blick unter der dichten, schwarzen Ponyfrisur eindeutig mitfühlend. „So schlimm? Aber sie sind doch noch gar nicht da.“

Sie hielten an einem Crêpestand und kauften sich zwei zuckersüße Schokoladen-Pfannkuchen. Damit setzten sie sich auf eine Bank neben der großen Rasenfläche und Santana biss herzhaft in die triefende Süßigkeit. „Ah, himmlisch! Zucker, das habe ich gebraucht.“ Sie rief den kreuz und quer über den Rasen flitzenden Pirat heran, belohnte ihn mit einem Leckerli und warf Jane einen müden Blick zu. „Erklär das bitte einmal Evie. Seit Tagen gibt es für sie nur noch ein Thema und das lautet Hawk. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es dürften grob geschätzt zwanzig Dokumentationen und an die dreißig Magazine sein, die sie sich zu Gemüte geführt hat. Liam und Steven feixen nur noch. Sie hat nichts, aber rein gar nichts dazu beigetragen, die Tour auf die Beine zu stellen. Mir mehrmals täglich an den Kopf zu werfen, dass ich das unprofessionell und für die – ich darf zitieren – anspruchsvolle amerikanische Klientel nicht angemessen organisiere, das hat sie allerdings nicht versäumt. Ich hab jetzt schon so einen Hals.“ Ihr Arm war kaum lang genug, um anzuzeigen, wie genervt sie war.

„Wenn Ihro Gnaden nicht mit deiner Leistung zufrieden ist, warum macht sie es dann nicht selbst?“ Jane kaute grübelnd ihren Crêpe. 

„Weil sie es nicht kann und weil Allan mir fortwährend den Rücken stärkt. Er findet meine Entscheidungen richtig und sinnvoll. Evies Vorschlag war tatsächlich, dass wir nur große Luxushotels ansteuern. Das wären stundenlange Fahrten zwischen den Terminen geworden, vollkommen unlogisch. Noch dazu lieben die Amerikaner doch auch das schottische Flair mit alten Herrenhäusern und romantischen Cottages. Sie haben doch eh ihr ganz eigenes Bild von Schottland und dem komme ich weitestgehend entgegen. Allan war von der Auswahl meiner Unterkünfte begeistert. Evie hingegen war der Ansicht, sie entsprächen nicht den Bedürfnissen der hohen Gäste.“

Jane schüttelte unwirsch den Kopf. „Was führt sie sich denn so auf? Ihr erwartet doch schließlich nicht die königliche Familie oder den amerikanischen Präsidenten.“ 

Sie sahen sich kurz schweigend an und prusteten dann gleichzeitig lauthals los.

Santana beruhigte sich als Erste wieder. „Na Gott sei Dank. Der hätte mir ja gerade noch gefehlt. Der kann doch einen Apple Pie nicht von einem Fischbrötchen unterscheiden. Dann doch lieber diesen selbstverliebten Mr Universum.“

„Hörst du jetzt wohl auf? Du hast gesagt, dass du ihm eine Chance geben wirst. Bisher schwelgst du aber weiterhin in Vorurteilen gegen den armen Kerl.“

Sie zog eine ertappte Grimasse. „Erwischt. Schon gut, ich habe gesagt, ich werde es versuchen, und das tue ich auch. Morgen Nachmittag werde ich ja sehen, ob er meine Freundlichkeit und mein grenzenloses Verständnis verdient.“

Jane runzelte die Stirn und schlug ihr spielerisch gegen den Arm. „Veräppeln kann ich mich selbst. Erzähl mir lieber, wie deine Planung jetzt aussieht. Dann kann ich zumindest im Geiste dabei sein.“

Santana holte tief Luft. „Okay. Ich habe eine Range-Rover-Flotte gebucht, fünf neue Wagen, drei davon mit Fahrern. Für das Equipment haben wir einen Transporter, in den alles reinpasst. Zum Umziehen bei Fotosessions im Freien habe ich für Hawk einen Camper gechartert, damit der empfindliche Edelkörper nicht den bösen schottischen Wetterkapriolen ausgesetzt ist. Aua!“

„Ich kneif dich jetzt jedes Mal, wenn du ihn durch den Kakao ziehst, haben wir uns verstanden?“

„Haben wir.“ Santana rieb sich den schmerzenden Oberarm. „Also, weiter im Text. Wenn die morgen ankommen, landen sie auf der normalen Landebahn, fahren aber dann zum Hangar der Firma, von der sie den Learjet gemietet haben. Hörst du? Learjet! Von London nach Edinburgh, aber bitte, wer kann, der kann. Wenn sie ankommen, steht die Sonne schon ganz tief, und wehe sie scheint morgen nicht. Ich habe die West Highland Pipers angeheuert. Die kommen aus dem Hangar und gehen ganz langsam auf den Jet zu. Die Ankömmlinge werden mit Flower of Scotland und Amazing Grace begrüßt. Wenn das kein herrschaftlicher Empfang ist, weiß ich auch nicht mehr.“

Jane schniefte leise. „Und ob! Ich heule ja schon bei dem Gedanken daran vor lauter Rührung.“

Santana nickte zufrieden. „So hab ich mir das vorgestellt. Sie müssen auch nicht ins Flughafengebäude, da sie ja in London schon die Immigration und alles hinter sich gebracht haben. Sobald die Pipers fertig sind, werden die Gäste noch vor dem Hangar von den Geländewagen aufgesammelt und der Fahrer des Transporters kümmert sich mit einem Helfer um das Gepäck und Equipment. Danach werden sie direkt zum Prestonfield House gefahren. Also Schottland-Romantik pur. Wenn ihnen das nicht gefällt, weiß ich auch nicht weiter. Dort wird - nach einem Begrüßungscocktail - am Abend ein Vier-Gänge-Menü serviert und es gibt noch eine Gesangseinlage von einem sehr guten Duo. Gib es zu, das trieft doch fast schon vor Schottland at its best, oder?“

„Respekt! Das Prestonfield House ist der Hammer. Sag bloß, du schläfst auch dort?“ Jane schien nachhaltig beeindruckt.

„Mitnichten! Ich residiere im Kinnear House. Das ist mir sowieso lieber.“

Jane grinste. „Hab ich mir gedacht. Nur ja nicht unter einem Dach mit dem bösen Hawk, was?“

Sie verneinte schmunzelnd. „Nein, ich bin im Budget, solange wir noch in Edinburgh sind, nicht vorgesehen. Aber das ist vollkommen in Ordnung. Am nächsten Morgen um neun Uhr geht es los und dann bin ich denen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.“

„Das klingt alles wunderbar. Im Ernst, du hast wirklich ein Händchen für Events. Hatte Evie etwa auch etwas gegen Prestonfield House?“

„Nein, damit war sie gnädigerweise einverstanden.“ Sie blickte sich um und ertappte Pirat dabei, wie er einem kleinen Jungen einen Keks mopste. „Lass uns den frechen Rabauken einfangen und dann holen wir uns noch irgendwo Fish and Chips. Ich hab keine Ahnung, wann ich das wieder werde essen dürfen.“

„Keine Panik bitte. Egal wo ihr sein werdet, Schottland ist bei dir.“ 

Janes ernste Miene amüsierte sie. „Du willst sagen, ich werde nicht verhungern müssen?“

„Dumme Nuss! Vertrau mir, du wirst die Tage genießen und du wirst traurig sein, wenn Hawk wieder in das Flugzeug steigt. Hör auf meine Worte.“

„Pah! Das wird niemals passieren, hörst du? Niemals. Eher friert der Ärmelkanal zu.“